„Mein Jahr als Jäger und Sammler“

 John Lewis-Stempel

 

Verlag DuMont, Köln 2019, 350 Seiten, 22€

 

 Buchbesprechung

 

John Lewis-Stempel

Mein Jahr als Jäger und Sammler

Verlag DuMont, Köln 2019, 350 Seiten, € 22.--

 

Es gibt nicht viele Bücher über die Jagd in England und wenn, sind sie meistens von Gästen auf der Jagd nach Flugwild, Hirsche und Rehböcke geschrieben. Dies ist ein Buch von einem Engländer, der auf eigenem Grund und Boden jagt.

 

John Lewis-Stempel, im ländlichen Bereich West-Englands aufgewachsen, ist Schriftsteller und Landwirt, er züchtet Schafe, Rinder, Schweine. So kauft er einen Bauernhof mit 16 ha und zieht mit seiner Frau und zwei Kindern auf den Hof, um Viehzucht zu betreiben. Die Renovierung der Gebäude gestaltet sich langwieriger und vor allem kostenträchtiger als geplant, so kommt er an die Grenzen seiner Finanzen. Jetzt beschließt er spontan ab Oktober für ein Jahr von den wilden Pflanzen und Tieren auf seinem 16 ha-Grundstück zu leben. Der Bauernhof liegt im bergigen Westen von Herefordshire, direkt an der Grenze zu Wales, besteht aus Viehweiden mit trenneden Hecken, einem kleinen Wäldchen und Ufergebüsch entlang eines kleinen Flusses.

 

Auf den ersten Blick fragt man sich, wo soll da Nahrung herkommen, kein großes Wild, keine Obstplantagen etc. Dann aber zeigt sich, dass gerade Hecken viel Nahrung bieten: Kaninchen, Waldschnepfen, Tauben, Holunder, Weißdorn, Schlehen, Haselnüsse, Hagebutten, Pilze, Sauerampfer, Brennnesseln etc. Die Ernte für den Winter ist allerdings oft schmerzhaft, gerade die guten Beeren haben viele Stacheln.

 

Hier kommt ihm nun seine hervorragende Artenkenntnis zu Gute und zusätzlich sucht und findet er in alten Büchern viele Hinweise auf essbare Pflanzen und deren Zubereitung. So gibt es im Buch viele ungewohnte Rezepte: Hagebuttensirup, gefüllte Schlangenknöterichblätter, geschmortes Eichhörnchen, Gänsefuß-Pfannkurchen mit Meerrettisch, Kaninchen mit Knoblauchrauke, und, und …..

 

Beim Sammeln der Pfanzen und bei der Jagd auf Kaninchen und Flugwild verliert er von Monat zu Monat an Gewicht, wird aber immer fitter. So gelingt es ihm, sich immer näher an Wild anzuschleichen und verwendet die viel Schaden an kleinen Wildkörpern  anrichtende Schrotflinte immer weniger, dafür das präzise, auf 15 Meter Entfernung  tödliche 5,5 mm – Luftgewehr immer mehr.  Er schreibt: „Wenn man sich anschleicht, ist man in die Welt der Natur eingetreten, als Räuber. Man ist zum Jäger geworden.“

 

Das Buch folgt dem Jahreslauf vom Oktober bis September des nächsten Jahres. Am Ende jeden Monats gibt es eine Liste der gegessenen wilden Nahrungsmittel.

Beispiel November: Brennnesseln, Löwenzahn, Judasohren, Fasane, Sauerampfer, Ampfer, Tauben, Kaninchen, Hagebutten, Wildäpfel, Weißdornbeeren, Flechten, Gänsedisteln, Bärenklau. Kommt da nicht Appetit auf?

 

John Lewis-Stempel gibt auch viele Hinweise auf andere Literatur über wilde Pflanzen und Tiere sowie über die Geschichte seiner Heimat. Über Herefordshire hatte ich noch nie gelesen und fand die Beschreibungen von Land und Leuten ausgesprchen lehrreich.

 

Der Autor zieht am Ende der 12 Monate ein positives Fazit. Und dies trotz Regen, Kälte, Pllzvergiftung, Mühsal und knurrendem Magen.

Zitat: „Der grundlegendste Aspekt des menschlcihen Lebens ist es, Essen und Trinken aus der Natur zu beschaffen. Wenn man das kann, kann man alles. Ich musste mir bestätigen, dass ich es konnte.“

 

 

 

John Lewis-Stempel schreibt sehr lebendig, man kann ihm gedanklich auf dem Fuss folgen, und oft mit typisch britischen, manchmal schwarzem Humor und viel Selbstironie, es macht Spaß. Man muss sich aber auf die Sichtweise des Autor vorurteilslos einlassen und darf nicht den Maßstab der deutschen Jagdgesetze und der deutschen Waidgerechtigkeit anlegen, sonst wird man das Buch beiseite legen. Ich habe es mit Genuss gelesen und dabei viel über die Natur und die Menschen in Herefordshire erfahren.


Jürgen Rosemund

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